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Überbauung von Netzverknüpfungspunkten – Infrastruktur effizient denken

Blogbeitrag

Die deutsche Energiewirtschaft befindet sich in einer Phase tiefgreifender Transformation. 2024 betrug die Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen rund 284TWh – über 55 % des Bruttostromverbrauchs. Die Zielvorgaben bleiben ambitioniert: Bis 2030 sollen 80% des Bruttoendenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energien stammen. Damit rückt der Fokus verstärkt auf die Frage, wie die bestehende Netzinfrastruktur wirtschaftlich und technisch effizienter genutzt werden kann. Ein vielversprechender Ansatz ist die projektseitige Überbauung von Netzverknüpfungspunkten.

Ausgangslage: Anschlusslogik mit Effizienzpotenzial

Der Netzanschluss heutiger EE-Anlagen erfolgt auf Grundlage einer fest vereinbarten Maximalleistung. Diese Anschlusskapazität wird 24/7 vorgehalten – unabhängig davon, ob sie tatsächlich beansprucht wird. Die Spitzenleistung eines Solarparks oder einer Windenergieanlage wird im Jahresmittel jedoch nur in wenigen Stunden erreicht. Diese Praxis führt zu strukturell unterausgelasteten Netzverknüpfungspunkten, bei gleichzeitig konstant hohen Infrastrukturkosten.

Mit dem EEG 2025 besteht erstmals die Möglichkeit, flexible Netzanschlusskapazitäten (§ 13a EEG 2025) mit dem Netzbetreiber zu vereinbaren. Derzeit ist diese Regelung optional und ohne Rechtsanspruch. Dennoch stellt sie einen wichtigen Impuls für eine intelligentere Anschlussplanung dar.

Spitzenkappung und Speicherintegration

Ein etabliertes Modell zur Reduktion der Anschlusskosten ist die sogenannte Spitzenkappung. Dabei wird bewusst eine geringere Anschlussleistung (z. B. 70–80 % der Peak-Leistung) beantragt, um Investitions- und Betriebskosten für den Netzanschluss zu senken. Da Solaranlagen ihre Nennleistung ohnehin nur wenige Stunden im Jahr erreichen, sind die tatsächlichen Energieverluste gering.

Zur optimalen Ausnutzung des Systems können Batteriespeicher eingebunden werden. Diese puffern Überschüsse und geben sie zeitversetzt ab – entweder zur Netzentlastung oder im Rahmen von Arbitragegeschäften an Strombörsen. Dies macht Speicher nicht nur zu einem technischen, sondern auch zu einem wirtschaftlichen Hebel.

Hybridparks: Sonne, Wind und Speicher im Verbund

Besonders großes Potenzial zur Überbauung bieten Hybridparks – also die Kombination mehrerer Erzeugungsarten an einem NVP. Aufgrund der unterschiedlichen Erzeugungsprofile von Solar- und Windenergie kommt es in weniger als ca. 4% des Jahres zu gleichzeitiger Volleinspeisung beider Systeme. Ein intelligentes Zusammenspiel dieser Technologien ermöglicht es, die Anschlussleistung deutlich effizienter zu nutzen.

Ein exemplarisches Beispiel: Ein Windpark mit 40 MW Anschlussleistung kann mit einer 10 MW-Photovoltaikanlage und einem 20 MWh-Speichersystem kombiniert werden – ohne dass die Anschlussleistung am NVP erhöht werden muss. Überschreitungen lassen sich durch eine intelligente, übergeordnete Parkregelung und Speicher puffern, Netzüberlastungen werden so vermieden.

Kombinierte Direktvermarktung mittels Algotrading

Ein weiterer Hebel für wirtschaftliche Effizienz ist die kombinierte Direktvermarktung des erzeugten Stroms – insbesondere über algorithmisches Trading. Durch automatisierte Handelsstrategien können Strommengen aus PV, Wind und Speicher intelligent am Spot- und Intraday-Markt platziert werden. Das reduziert das Risiko von Prognoseabweichungen, erhöht die Erlöse und steigert die Wirtschaftlichkeit hybrider Systeme.

Aktuelle Herausforderungen
Trotz technischer und wirtschaftlicher Vorteile bestehen Hürden:

  • Netzbetreiber-Zurückhaltung: Die Kann-Regelung im EEG 2025 führt zu Unsicherheiten bei der Projektplanung.
  • Fehlende Standardisierung: Es mangelt an einheitlichen Prozessen für flexible Anschlussvereinbarungen.
  • Regulatorisches Potential: Etwa bei der Vergütung von gespeicherter Energie oder der Rolle von Algotrading im Redispatch.
  • Marktzugang für Speicher: Speicher sind nach wie vor nicht vollumfänglich in die EEG-Fördermechanismen eingebunden.

Fazit

Die Überbauung von Netzverknüpfungspunkten ist kein Risiko, sondern eine Chance – technisch, ökonomisch und energiewirtschaftlich. Sie ermöglicht einen effizienteren Einsatz bestehender Netzinfrastruktur, entlastet den Netzausbau und fördert die Integration erneuerbarer Energien. Damit sie ihr volles Potenzial entfalten kann, braucht es jedoch verbindlichere regulatorische Rahmenbedingungen, die Digitalisierung des Netzanschlussprozesses und die konsequente Einbindung smarter Vermarktungsstrategien.